Wie Abstand halten im ÖPNV mithilfe von Belegungsdaten gelingt

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Wir erklären, wie Belegungsdaten den Fahrgästen helfen, die Abstandsregeln im ÖPNV einzuhalten.

Die langfristige Bedeutung des ÖPNV

Lassen Sie uns, zunächst einmal unabhängig von der Pandemie, die Bedeutung des ÖPNV für Umwelt und Gesellschaft anschauen. Seit geraumer Zeit wird die Wichtigkeit des ÖPNV betont.

Robert Rhode stellte im Jahr 2000 bereits fest, dass der Verkehrssektor 13,2% der jährlichen Treibhausgasemissionen ausmacht; größtenteils dank seiner CO2-Emissionen. PKWs machen ungefähr 40% der Fahrzeuge aus, die an diesen Emissionen beteiligt sind, wohingegen Züge mit nur 4% anteilig sind.

Dann, vor etwa zehn Jahren, verglich das Center on Globalization, Governance & Competitiveness (CGGC) den CO2-Ausstoß zwischen Autos und Bussen pro Person und stellte kurzerhand fest, dass Busse die energieeffizienteren Fahrzeuge sind. Denn Busse scheinen sechsmal weniger CO2 pro Person auszustoßen als PKWs.

Spulen wir ein paar Jahre vor in die Gegenwart: Junge Menschen versuchen die Fehler der Alten nicht zu wiederholen und beginnen die Rettung des Planeten in die eigene Hand zu nehmen. Dabei ruft der historische Klimastreik nach konkreten Schritten zum Wohle des Klimas auf, worunter ebenfalls Forderungen nach einer verbesserten Infrastruktur und nachhaltigeren Entscheidungen im ÖPNV verlangt werden.

“Diese Proteste sollen zu einem Wandel in unserer Gesellschaft führen. Weg von der Nutzung fossiler Energien und eines umweltschädlichen Verkehrssektors hinzu einem verbesserten ÖPNV und zu Investitionen in dessen Ausbau, damit jede Gesellschaftsschicht von ihm profitieren kann…

Die Menschen nehmen immer mehr bewusster wahr, dass wir einer echten potenziellen Gefahr durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Mit dem derzeitigen Zustand des Verkehrssektors können wir so wie bisher auf Dauer nicht weitermachen.”

sagte Ethan Wrights, ein 19-jähriger Student aus den USA. Er ist Leiter der Zero Hour und nutzte mit seinen Freunden Mitfahrgelegenheiten, um zum Bahnhof zu gelangen, damit sie am Klimastreik teilnehmen können.

“Du musst deinen Worten Taten folgen lassen. Ich gebe mein Bestes, indem ich überallhin mit dem Bus fahre, mein Fahrrad nutze oder einfach zu Fuß gehe. Ein Klimaaktivist zu sein hat mich zu einem Verkehrsaktivisten gemacht…

Wir müssen zu der Erkenntnis gelangen, dass unsere Städte nicht für alternative Transportmethoden gemacht sind sowie unsere Landflächennutzung die Ausbreitung des Autoverkehrs nur weiter antreibt. Wir müssen uns vehement dagegen stellen, den Transportsektor auf Kosten unserer Natur auszubreiten. Wir müssen die Städte wesentlich dichter bauen und Wege finden, eine Stadt fußgängerfreundlich zu strukturieren. Auf diese Weise könnte der Verkehrssektor für jedermann zugänglich gemacht werden.”

sagte Nina Tran, eine 18-jährige Studentin aus Kanada und Mitbegründerin der Environmental Community of Hamilton Students.

Der ÖPNV spielt nicht nur im Kontext des Europäischen Grünen Deals, der Nachhaltigkeitsziele der UN und den Forderungen der Klimaschützer eine wichtige Rolle, sondern auch für diverse Gesellschaftsschichten. Sie ist die Zukunft für Menschen, die den ÖPNV nicht in erster Linie zum Schutze des Klimas nutzen, sondern keine andere finanziellen Möglichkeiten haben, um von A nach B zu gelangen.

Wie die Pandemie den Transportsektor veränderte

In den Jahren 2019 und 2020 sank der weltweite CO2-Austoß; vielleicht wegen des Lockdowns. Chinas CO2-Emission fiel um 1,4%, während weltweit die Zahlen um 6,3% sanken. Spaniens Emission sank um 15,7%, dicht gefolgt von den USA mit 13,1%, Indien mit 11,7% und Deutschland mit 11,4%.

Im vergangenen Jahr 2020 ging, während des Ausbruchs der Pandemie in den Monaten März und April, die Anzahl der Fahrgäste im Londoner Verkehr erheblich zurück. Gegen September 2020 stiegen die Zahlen zwar wieder, dennoch waren sie nicht mehr so hoch wie zuvor.

Da nicht der Anschein besteht, dass die Pandemie ein schnelles Ende nehmen wird, sind Menschen, die sich bereits an die AHA-Regeln gewöhnt haben, weiterhin verunsichert, ob sie den ÖPNV nutzen oder gar öffentliche Plätze betreten sollen. Weltweit kämpfen die Menschen mit der Angst einer Infektion im ÖPNV, da die Einhaltung der Abstandsregeln in vollen Bussen und Bahnen praktisch unmöglich ist.

Fahrgästen muss die Möglichkeit geboten werden, volle Fahrzeuge vermeiden zu können, vor allem denen, die einer Risikogruppe angehören. Deshalb ist die Versorgung der Menschen mit einem Informationssystem, das das Infektionsrisiko anhand von Belegungsdaten berechnet, wichtiger denn je. Die wichtigste Frage, die die Belegungsdaten beantworten können, ist die folgende: Wann ist der beste Zeitpunkt um öffentliche Verkehrsmittel an einem bestimmten Tag zu nutzen?

Wie Fahrgästen geholfen werden kann, die Abstandsregeln im ÖPNV einzuhalten

Den ÖPNV zu nutzen, um nachhaltig zu leben und gleichzeitig während einer Pandemie den Abstand zu halten, stellt ein großes Dilemma dar. Dabei können Belegungsdaten einen Ausweg schaffen, indem sie die Fahrgäste mit Informationen über die Anzahl der Passagiere in einem bestimmten öffentlichen Fahrzeug versorgen.

Die Daten geben Auskunft darüber, wie der Belegungsgrad in Bus und Bahn ausschaut. Somit wissen die Fahrgäste, welche Strecken sie wann wegen zu hoher Auslastungen vermeiden sollten und zu welchem Zeitpunkt ein bestimmtes Fahrzeug die Einhaltung der Abstandsregeln gewährt.

Im Jahr 2016 sprach ein indisches Forschungsteam das Sammeln von Belegungsdaten mittels Crowdsourcing über mobile App-Daten als Empfehlung aus. Smartphones sind mit Sensoren ausgestattet, die als verlässliche Quellen über Standortdaten der Fahrgäste verfügen, daraufhin können die Passagiere angeben, wie ausgelastet ein Fahrzeug tatsächlich ist.

Belegungsdaten werden über eine längere Zeit hinweg gesammelt und in einer Datenbank gespeichert. Die Daten können wiederum analysiert werden, um Belegungsmuster für verschiedene Strecken an unterschiedlichen Tagen zu erkennen. Mit diesen Mustern und der Hilfe von Machine-Learning-Algorithmen können Prognosen für zukünftige Fahrtstrecken erstellt werden. Im Jahr 2020 wurde bereits an solch einem Verfahren gearbeitet und getestet.

Beispiel A: Der australische Bundesstaat Viktoria begann damit, sensorbasierte Personenzähler zu testen und Technologien anzuwenden, die modellhafte Vorhersagen zur Auslastung des öffentlichen Verkehrssystems tätigen. So versorgte der Staat seine Bürger mit Belegungsdaten in Echtzeit. Ein weiterer australischer Staat, New South Wales, wendete schon ähnliche Technologien an, um in Echtzeit freie Sitzplätze in den Zügen Sydneys anzugeben. Dieses Verfahren basiert auf der Messung von Gewichtsdaten eines Wagons, die ebenfalls mithilfe von eingebauten Sensoren ermittelt werden.

Eine fortschrittlichere Methode ist in Japan anzutreffen. Hier kommen Verfahren zum Einsatz, die den Personenstrom analysieren und die gewonnenen Belegungsdaten der Züge und Bahnhöfe verarbeiten, vorhersagen und visualisieren.

Belegungsdaten als langfristige Lösung

Die Anwendung von Big Data gestaltet sich in der Praxis schwerer als man glauben mag. In einem Wirrwarr aus Daten stellen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, des Dateneigentums und der Datenschutzgesetze eine wesentliche Hürde dar. Hinzukommen etwaige Probleme mit der Internetverbindung und der Zählung von Personen, fehlende Ressourcen und Datenverfügbarkeiten sowie Komplikationen bei der Erstellung von Prognosen.

Unabhängig der Gründe, die für oder gegen die Nutzung von Belegungsdaten sprechen: Wir haben eine Pandemie gebraucht, um zu verstehen, wie wichtig Belegungsdaten für die Nutzer des ÖPNV sind. Und das ist nur einer von vielen Vorteilen.

Die Tatsache, dass Belegungsdaten im Kampf gegen die COVID-Pandemie wichtig sind, ist unbestreitbar. Aber auch wenn die Pandemie morgen vorüber wäre, wird die Analyse von Belegungsdaten weiterhin im ÖPNV eine wichtige Rolle zu spielen haben, da Passagiere auch künftig Wert auf Reisekomfort legen werden.

“Für Fahrgäste mit Rollstühlen, Kinderwagen oder größerem Gepäck ist es hilfreich, vor Reiseantritt zu wissen, ob sie im Fahrzeug genügend Platz haben werden, um entspannt zu reisen, oder ob sie lieber auf die nächste Verbindung warten sollten. Auch Pendler, die jeden Tag auf den Bus angewiesen sind, haben einen besseren Seelenfrieden, wenn sie mit Informationen über die Auslastung versorgt wurden. Den Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln auszubauen und das Reiseerlebnis zu verbessern, wird stets den Gewinn steigern; das wird auch der Fall für Auslastungsinformationen sein, wenn die Pandemie ein Ende gefunden hat.”

Stephen Miller, Leiter der Kommunikationsabteilung bei Transit, erklärt im Interview mit Mass Transit den Wert von Belegungsdaten.

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Wir halten fest

Wer profitiert vom ÖPNV?

Wie veränderte die COVID-19-Pandemie den ÖPNV?

Anzahl der Fahrgäste sinkt im Jahr 2020. Hauptsächlich liegt der Rückgang an den Lockdown-Verordnungen und der Angst vor Ansteckungen im öffentlichen Verkehr.

Welchen Nutzen haben Belegungsdaten im ÖPNV?

Den Fahrgästen wird Auskunft über den Belegungsgrad in Bus und Bahn gegeben. Somit wissen die Passagiere, welche Strecken sie wann wegen zu hoher Auslastungen vermeiden sollten und zu welchem Zeitpunkt ein bestimmtes Fahrzeug die Einhaltung der Abstandsregeln gewährt.

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